Byssochlamys SchimmelpilzgattungByssochlamys – der hitzeresistente Schimmelpilz

Schimmelpilze der Gattung Byssochlamys gehören zur Abteilung der Schlauchpilze (Ascomycota). Diese sind so benannt, da sie ihre Sporen in schlauchförmigen Gebilden, den Asci, ausbilden. Schimmel der Gattung Byssochlamys verfügen pro Organismus über acht solcher Sporenasci. Der Mikropilz kommt natürlich im Erdboden, auf Früchten, Getreide, Gras, Heu, Silage oder Holz vor. Die Unterart B. fulva mit ihrer Nebenfruchtform Paecilomyces fulvus wird besonders häufig im Boden von Obstplantagen und auf Zitrusfrüchten gefunden.

Diese werden dann mit den weißen, kugeligen Fruchtkörpern von Byssochlamys besiedelt. Einige Arten findet man auf Weinbergen. Eine wichtige Unterart ist B. nivea, die unter anderem beim Verderben von Sauermilcherzeugnissen eine Rolle spielt.

Byssochlamys – Herausforderung in der Lebensmittelproduktion

Byssochlamys ist eine extrem hitzeresistente Schimmelpilzgattung. Bei Temperaturen bis zu 100 Grad Celsius können die Organsimen noch wachsen. Dies führt zu Herausforderungen in der Lebensmittelherstellung, denn die hitzeresistenten Ascosporen keimen trotz Hitzebehandlung aus und können dann Fruchterzeugnisse wie Dosenobst, Mus oder Fruchtsäfte verderben. Beim Prozess der Pasteurisation von Obstsäften bei etwa 70 bis 80 Grad Celsius sollen krankmachende Mikroorganismen abgetötet werden. Byssochlamys kann dadurch jedoch aktiviert und die Sporen zur Vermehrung angeregt werden. Eine Erhöhung der Temperatur ist wegen unerwünschter chemischer Reaktionen nicht möglich. Hinzu kommt, dass sich der Schimmelpilz auch unter sauerstoffarmen Bedingungen entwickeln kann.

Byssochlamys im Haushalt

Im Haushalt spielt Byssochlamys besonders als Lebensmittelverderber eine Rolle. Das von diesem Schimmelpilz gebildete Mykotoxin Patulin wurde in etwa 40 Prozent der faulen Stellen an Äpfeln nachgewiesen. Fruchtprodukte wie Mus, Dosenfrüchte, Weintrauben und Obstsäfte können trotz Hitzebehandlung Ascosporen enthalten. Nicht nur Fruchterzeugnisse, sondern auch Produkte wie Brot, Fleisch oder Milch können kontaminiert sein. Rohmilch kann beispielsweise durch Staub und vor allem bei Silagefütterung (Carry-Over-Effekt) mit den Sporen infiziert werden. Der geringe Sauerstoffbedarf, eine hohe Kohlensäuretoleranz und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Desinfektionsmitteln führen dazu, dass Schimmelpilze der Gattung Byssochlamys auch in dicht verschlossenen Behältern gedeihen können.

Gesundheitsgefahr durch Byssochlamys

Byssochlamys  stellt durch die Ausbildung von Mykotoxinen wie Patulin eine Gesundheitsgefahr dar. Es ist ein Nervengift, das in hohen Dosen zu Erbrechen und blutigen Magenschleimhautentzündungen führen, sowie leberschädigend wirken kann. Es kann in hoher Konzentration auch Nervosität, Krämpfe und Atemnot hervorrufen. Bei der Vergärung von Fruchtsäften oder durch Zugabe von Schwefeldioxid wird das Gift jedoch unschädlich gemacht, sodass man Endprodukte wie Wein oder Apfelsaft diesbezüglich bedenkenlos verzehren kann. Seit mehreren Jahren schon sind in der EU Grenzwerte (DTI= 0,4 µg/kg Körpergewicht) des Toxins in Fruchtprodukten festgelegt. In Äpfeln dringt Patulin nicht in gesundes Gewebe vor, doch faule Stellen sollte man herausschneiden. Eine Ausbreitung des Toxins auch in gesundes Gewebe stellte man bei Tomaten, Birnen und Pfirsichen fest. Diese und andere Sorten sollte man bei Befall komplett entsorgen.