Chaetomium SchimmelpilzgattungChaetomium – gefährlicher Bewohner von Bibliotheken und Archiven

Die Schimmelpilzgattung Chaetomium gehört zur Abteilung der Schlauchpilze (Ascomyceten). Mit den dunklen Melanin-Einlagerungen in den Konidien zählt sie zu den Schwärzepilzen (Dematiaceae). In der Natur findet man Chaetomium im Erdboden, auf Kompost und als Cellulose-Verwerter auf Pflanzenteilen. C. globosum ist beispielsweise bekannt als Erreger der Weichfäule an Holz. Die zersetzenden Eigenschaften der Gattung nutzt man in der Industrie für Tests zur Widerstandsfähigkeit von Materialien gegenüber Schimmelpilzen. Über 80 Unterarten sind bekannt, darunter C. murorum oder C. comosum.

Chaetomium-Arten sind anhand ihrer zitronenförmigen Sporen leicht zu identifizieren. In älteren Kolonien sitzen diese Ascosporen in Fruchtkörpern, den Perithecien. Diese sehen aus wie schwarze Stecknadelköpfchen und sind von dunklen, borstigen Härchen umgeben.

Sporen von Chaetomium schwer in der Luft nachweisbar

Chaetomium wächst sehr schnell. Zu Beginn ist das Myzel weiß und wollig, später färbt es sich olivgrün bis grau. Auch bei eindeutigem Befall mit dem Pilz sind die Sporen bei Luftkeimsammlungen schwer nachzuweisen, und dies aus zwei Gründen: Zum einen werden die Sporen bei der Freigabe aus den Perithecien von den umgebenden Härchen aufgefangen. Eine Verbreitung durch die Luft ist nur möglich, wenn der Pilz sehr ausgetrocknet ist oder wenn er mechanisch, etwa bei Renovierungsarbeiten, aufgebrochen wird.  Es kommt nicht selten vor, dass die Schimmelpilzkonzentration der Luft nach Bauarbeiten höher ist als zuvor. Zum anderen sind die Sporen relativ groß und lagern sich schnell am Boden und an Gegenständen ab.

Chaetomium als Teil des Schwarzen Wandschimmels

Die häufigsten Unterarten von Chaetomium in Innenräumen sind C. globosum und C. murorum. Sie kommen oft zusammen mit anderen Schwärzepilzen nach Wasserschäden vor und gelten als Hinweis für eine hohe Feuchtigkeit im Baumaterial. Als Cellulose-Verwerter befällt er bei hoher Luftfeuchtigkeit gern Kleidung, Teppichböden, Tapeten und Bücher. Ideale Wachstumsbedingungen finden sie in nicht klimatisierten Archiven, denn besonders lieben sie die Dunkelheit. Chaetomium kann aber auch auf Kunststoffen wachsen und findet sich regelmäßig auf Fensterrahmen. Der Schimmelpilz produziert mit etwa 10 Milligramm pro Quadratzentimeter eine relativ große Menge an Biomasse.

Gesundheitsrisiko durch Chaetomium

Schimmelpilze der Gattung Chaetomium stellen ein Gesundheitsrisiko dar. Sie können Allergien auslösen und bilden Mykotoxine wie Emodin oder Chaetomin. Bei immungeschwächten Personen lösen sie für Schwärzepilze typische Infektionen aus, die sogenannten Phaeohyphomykosen. Dabei können die Nägel befallen werden und es kann zu Nasennebenhöhlen- oder Bauchfellentzündungen kommen. Auch Gehirn-Abszesse sind dokumentiert. Anders als bei den meisten anderen pathogenen Schimmelpilzen wird bei Chaetomium vermutet, dass ein dauerhafter Kontakt zu neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Lupus führen kann. Auch wird eine krebserregende Wirkung angenommen. Es ist zudem der einzige Schimmelpilz, der Veränderungen der DNA auslösen und somit erbgutschädigend wirken kann. Ein Einfluss über eine längere Dauer sollte in jedem Fall gemieden und der Schimmel nach Wasserschäden so schnell wie möglich beseitigt werden.