Wallemia SchimmelpilzgattungWallemia – der individuelle Schimmelpilz

Schimmelpilze der Gattung Wallemia sind sogenannte xerophile Pilze. Dies bedeutet, dass sie  an trockenen Standorten wachsen können. Diese Gattung kommt weltweit vor.  Häufig findet man sie in landwirtschaftlicher Umgebung und sie steht im Verdacht, die sogenannte „Farmerlunge“, eine chronische Lungenkrankheit bei Landarbeitern, zu verursachen. Wallemia-Arten werden oft von Lebensmitteln mit hohem Zucker- oder Salzgehalt isoliert.

Drei Spezies weisen Charakteristika auf, die sie von allen anderen Schimmelpilzen unterscheiden: Sie besitzen eine einzigartige Form der Konidienbildung; Sie gehören zu den tolerantesten Pilzen gegenüber Trockenheit, und sie haben eine isolierte, phylogenetische Position innerhalb der Abteilung der Ständerpilze (Basidiamycota) als eine verwandte Klasse aller anderen Agaricomycotina, einer Unterklasse der Ständerpilze.

Wachstum von Wallemia bei Trockenheit

Wallemia verfügt als trockenheitsliebender Pilz über ungewöhnliche Wachstumseigenschaften unter den Schimmelpilzen. Die Unterart W. sebi kommt beispielsweise mit einem aW-Wert von 0,7 aus (available Water = frei verfügbares Wasser in Materialien). Das Optimum an Luftfeuchtigkeit liegt für diese Spezies bei 55 bis 65 Prozent. Die meisten Schimmelpilzarten, wie etwa Alternaria alternata, brauchen im Vergleich dazu eher eine hohe Luftfeuchte von 80 bis 98 Prozent. Wallemia findet man so am ehesten in Staub und gepökelten oder gezuckerten Lebensmitteln wie Brot, Kekse oder Marmelade. Zum Nachweis dieses Mikropilzes braucht man daher auch besondere Nährmedien. Durch sein langsames Wachstum kann er jedoch schnell von anderen Kulturen überwuchert werden. Daher ist ein Nachweis bei einem Schimmel Test teilweise mit Schwierigkeiten verbunden.

Wallemia im Haus

Da Wallemia-Arten die Trockenheit bevorzugen, findet man diesen Schimmelpilz nicht wie andere an feuchten Standorten, sondern eher im Hausstaub, in Matratzen oder Bettzeug. Schimmelpilze dieser Gattung wurden schon aus Marmelade, Brot, Kuchen, gesalzenen Bohne, gepökeltem Fisch, Schinken, Obst, Marzipan, Milch und Textilien isoliert. Die Spezies W. sebi kommt sehr häufig in Innenräumen vor. Sie kann besonders gut auf Lebensmitteln mit hohem osmotischen Druck, also stark gezuckerten oder gesalzenen Nahrungsmitteln, wachsen. Sie findet sich aber auch auf Heu, in Böden und auf Textilien. Als keratinophiler Schimmelpilz kann Wallemia Haare und Nägel als Nährstoffquelle nutzen und kommt so auch auf Tierhaaren oder Vogelfedern vor.

Gesundheitsgefahren durch Wallemia

Schimmelpilze der GattungWallemia können Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) bilden wie etwa Walleminol. Über die gesundheitliche Bedeutung dieses Toxins ist jedoch nicht viel bekannt. Die Pilze können jedoch Allergien hervorrufen und stehen im Zusammenhang mit hypersensiver Pneumonitis, einer entzündlichen Lungenerkrankung, die vor allem bei Landarbeitern auftritt. Die Sporen von W. sebi sind sehr klein, sogar noch kleiner als Sporen von allergenen Gattungen wie Penicillium oder Aspergillus. Dadurch können sie sich besonders einfach im Atemapparat festsetzen. Zudem können sie Hautentzündungen (Dermatitis) mit Beteiligung des Unterhautgewebes (subkutane Dermatitis) verursachen. Da Wallemia keratinophil sind, können sie Zeh- und Fingernägel befallen.